Erweiterung Kreismuseum Syke

Erweiterung Kreismuseum Syke

Erweiterung Kreismuseum Syke
offener Realisierungswettbewerb

[Charakter und Identität]
An der nordwestlichen Grenze des Areals des Kreismuseums Syke soll das bestehende Ausstellungsgebäude für die Präsentation des Goldhortes von Gessel, sowie zahlreicher weiterer Funde der „Pipelinegrabung“ erweitert werden. Der Kontext des „lebendigen Kultur- und Geschichtsstandortes“ ist durch das Ensemble aus dem bestehenden Ausstellungsbau und den historischen Gebäuden geprägt. Außerdem ist die Lage am Wald und der starke Naturbezug auf und um das Gelände eine Besonderheit, die dem harmonischen Wesen des Ortes Ausdruck verleihen. An der nördlichen Grenze des Baufeldes befindet sich ein Bachlauf, der Regenwasser aus dem Wald aufnimmt und in die Hache im Westen des Kreismuseums fließt. Das Areal ist über einen langen Zeitraum gewachsen und erhält seine Identität über den eindrucksvollen und individuellen Charakter der Bestandsgebäude. Das „Weiterbauen“ und somit das „Spüren der Zeit“ macht den besonderen Reiz und die Atmosphäre des Ortes aus. Durch spannungsreiche Wege- und Sichtbeziehungen ist dies für den Besucher erleb- und erfahrbar. Zwischen den verschiedenen Baukörpern entstehen spannungsreiche Freiräume, die durch verschiedene Nutzungen bespielt werden und eigene Aufenthaltsqualitäten entwickeln. Diese Besonderheiten machen den Wiedererkennungswert und den Charakter des Ortes aus und bilden die Grundlage für den Entwurf des Erweiterungsbaus für das Kreismuseum Syke.

Lageplan

 

[Angemessenheit und Selbstverständnis]
Das vorhandene Ausstellungsgebäude aus dem Jahre 1980 nimmt im Ensemble eine Sonderstellung ein. Durch die Dachform, sowie Ausmaß und Proportion des Baukörpers, setzt es sich von den übrigen Gebäuden ab und bildet einen Sonderbaustein. Über die Jahre wurden Wirtschafts- und weitere Ausstellungsgebäude angebaut und mit diesem verbunden. Der Entwurf für die Erweiterung macht sich dieses Prinzip zu nutze und baut in diesem Sinne das Ensemble und die vorhandene Struktur weiter. Referenz für die Proportion, Setzung, und Gestalt der Erweiterung sind die umliegenden, „lose verstreuten“ historischen Gebäude. Insbesondere das Ackerbürgerhaus im Süd-Westen und das Bauernhaus von 1747, das im Zentrum der Anlage steht. Der Baukörper der Erweiterung orientiert sich in der Höhe und Dachform insbesondere an diesen Vorbildern, so ist das vorhandene Ausstellungsgebäude weiterhin der Sonderbaustein im Ensemble. Die Erweiterung gliedert sich durch diese klare Haltung und Entwurfsstrategie angemessen in den unmittelbaren Kontext ein, positioniert sich eindeutig im Ensemble und wird so selbstverständlich zum Bestandteil der Gesamtanlage.

Grundrisse

Grundrisse

 

[Funktion und Struktur]
Der Erweiterungsbau gliedert sich in zwei Gebäudeteile. Der massive Sockel entwickelt sich dreidimensional aus der Topographie und verzahnt das Gebäude und die Funktionen mit dem Außenraum. Außerdem bindet er das bestehende Ausstellungsgebäude sinnvoll an. Nachdem der Besucher die bestehende Ausstellung verlassen hat, erlaubt der Übergangsbereich, durch gezielte Ausblicke, eine Orientierung zum Freiraum und bietet einen Bezug zum Museumsgelände. Der Aussichtsturm entwickelt sich ebenfalls aus dem Sockel in die Höhe und ist über ein Fenster optisch mit dem Innenraum verbunden. Darüber hinaus ermöglichen die Öffnungen dem Spaziergänger Einblicke in das Gebäude und machen Lust, das Innere des Gebäudes zu erkunden. Der Sockel nimmt die Funktionen, bei denen das Ausprobieren und Forschen im Mittelpunkt steht, auf und bildet im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament für die Ausstellung. Dessen oberer Abschluss, das Plateau für den Ausstellungsbaukörper, wird in der Form eines Betonbandes gestaltet und bildet zudem eine Auskragung. Diese Geste steht in Analogie zu dem vorhandenen Museumsgebäude und setzt so den Erweiterungsbau in Bezug zum Bestand. Die verschiedenen Funktionen sind von Außen eindeutig ablesbar und die tektonische Logik wird für den Betrachter nachvollziehbar.

Längsschnitt

 

Ansicht West

 

[Materialität und Atmosphäre]
Die verschiedenen Funktionsbereiche und Strukturen werden außerdem über eine Differenzierung in der Materialität sichtbar. Der massive Sockel wird in Sichtbeton ausgeführt und trägt den leichten, hölzernen Baukörper des Ausstellungsraumes. Die Fassade des Ausstellungsgebäudes, aus rot lasiertem Holz, nimmt die Fachwerkkonstruktionen und Farbigkeit des Kontextes auf und übersetzt diese in eine zeitgemäße Architektursprache. Die Rasterung der Fassade, durch senkrecht proportionierte Fächer, macht die Konstruktionsprinzipien des Holzbaus und deren Raster ablesbar. Das Krüppelwalmdach scheint über dem Holzkörper zu schweben. Das Dach überspannt den Ausstellungsraum stützenfrei und ist im Innenraum in seiner Form erlebbar. So wird nicht nur ein flexibel nutzbarer Raum geschaffen, sondern auch ein in seiner Höhe angemessener Ausstellungsraum. Der First wird durch ein Oberlicht aufgelöst, das diffuses Tageslicht in den Innenraum lässt. Dieses Zusammenspiel aus Licht und den sichtbaren Holzoberflächen erzeugt eine besondere Atmosphäre und Haptik. Im Gegensatz zur warmen Holzoberfläche der Ausstellung, stehen die Beton- und weiß lackierten Holzoberflächen des Multifunktionsraumes. Die Massivität dieses Gebäudeteils ist durch die Materialität auch im Innenraum spürbar.

Fassadenschnitt


Bearbeitungszeitraum:
2016
Auslober: Landkreis Diepholz
Tragwerksplanung: Peter Schenk Ingenieure, Hamburg
Modellbau: Marvin Kirschner – Modellbau + Design