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Henrik Weber studierte Architektur an der Leibniz Universität Hannover und erhielt 2007 den Förderpreis der Lavesstiftung der Architektenkammer Niedersachsen. Nach seinem Diplom 2008 arbeitete er für Turkali Architekten in Frankfurt a. M. und war Projektleiter für das Bauvorhaben Kompetenz- und Veranstaltungszentrum der Volksbank in Hamm. Außerdem leitete er als Mitarbeiter verschiedene Wettbewerbe, unter anderem den Wohnungsneubau in der Tel-Aviv-Straße in Köln, den Neubau des Gemeindehauses in Heddesheim und eine Grundschule mit Schulsporthalle und Kindertageseinrichtung auf dem Riedberg in Frankfurt. Es folgte 2012 eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Entwerfen und Gebäudelehre an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover. Seit 2013 ist er freier Architekt in Hamburg. Sowohl die planerischen als auch menschlichen Aspekte des Arbeitsprozesses profitieren von der Kombination der verschiedenen Betätigungsfelder in Lehre, Forschung und Praxis. Diese Schnittstellen der verschiedenen Arbeitsumfelder geben neue Impulse und ermöglichen unkonventionelle Kooperationen.

 

Angemessenheit und Eigenständigkeit oder Objektivität und Emotion
„Architektur verarbeitet und kommuniziert ihre Gedanken durch plastische Emotionen, die aus der körperlichen Konfrontation des Menschen mit seiner Umwelt entstehen.“ – Juhani Pallasmaa

Jeder Entwurf folgt einer konzeptionellen Idee. Dieses Konzept wird in einem Prozess erarbeitet und entwickelt aus dem gegebenen Kontext und unter Erfüllung der Anforderungen der Bauaufgabe eine angemessene Lösung. Aus dieser Arbeitsweise heraus wird ein Gebäude generiert, das eine eigenständige Identität entfalten kann und sich über diese in sein Umfeld einfügt. Neben der stimmigen Funktion wird immer auch eine emotionale Wechselwirkung der Architektur gesucht. So wird eine technische Betrachtungsweise, die für die Problemlösung unerlässlich ist, durch eine dynamische und qualitative ergänzt und generiert Lösungen, die gegenseitige Beziehungen zwischen Gedanke und Ausdruck zulassen. Im Vordergrund stehen hier tektonische Logik, Materialsensibilität und Empathie, die den Nutzern und Betrachtern eine emotionale Beteiligung ermöglichen.

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Gegenwart und Vergangenheit oder Identität und Sorgfalt
„Sind wir dazu da, immer etwas Neues zu machen, oder sind wir dazu da, die Dinge, die bestehen, immer weiter zu vollenden?“ – Egon Eiermann

Wichtiger Bestandteil des Entwurfsprozesses ist es, das Neue aus den Bedingungen des besonderen Ortes heraus zu entwickeln und harmonisch in den bestehenden architektonischen und gesellschaftlichen Kontext einzufügen. Um einen Ort in seiner Identität und Einzigartigkeit zu verstehen, ist es unerlässlich, diesen sorgfältig im Bezug auf seine räumlichen und sozialen Zusammenhänge zu analysieren und seinen historischen Entstehungsprozess nachzuvollziehen. Ebenso sind im Sinne des kritischen Regionalismus Topographie, Klima, Licht und tektonische Form wichtige identitätsstiftende Faktoren, die Einfluss auf den Entwurfsprozess haben. Ziel dieser Analyse ist es, Altbewährtes wiederzuentdecken und die bestehenden Qualitäten zu erkennen und weiterzuentwickeln, um daraus Neues zu schaffen. Diese Methode bezieht den historischen und räumlichen Kontext mit ein, hinterfragt das Gegebene und entwickelt den individuellen Ort in seiner architektonischen Tradition, sozialen Struktur und spezifischen Atmosphäre weiter.

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Ökologie und Zukunftsfähigkeit oder Verantwortung und Integrität
„Vergessen wird, dass Verbesserungen von Lebensqualität eben nicht mehr durch Steigerung von Konsum, Produktion und Bruttosozialprodukt, sondern nur durch klugen Verzicht erzielt werden können.“ – Max Bächer

Architektonische Lösungen werden im Sinne der Frage nach dem richtigen Maß sowohl in Hinblick auf den Verzicht von Überflüssigem, als auch auf Entschleunigung bzw. Bedarfsorientiertheit entwickelt. Im Vordergrund stehen hier die Grundideen der Suffizienz. Bei gleichzeitiger Minimierung des Rohstoff- und Energieverbrauchs wird ein bedarfsorientiertes und ästhetisches Ergebnis im Bezug auf die Nutzung und Gestalt des Gebäudes erarbeitet und generiert so aus ökologischen Einschränkungen neue Möglichkeiten. Im Vordergrund steht nicht nur eine lange Lebensdauer und Dauerhaftigkeit der gebauten Substanz, sondern auch, dass der neu geschaffene Raum eine zukunftsfähige Veränderung der Lebensführung unterstützt und Nutzungsinnovationen gefördert werden.

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Kompetenz und Werkzeuge oder Prozess und Methodik
“ […] Zu wissen, was man nicht weiß, ist die Gabe des höheren Geistes. Nicht zu wissen und zu glauben, dass man weiß, ist falsch. Zu wissen, dass es falsch ist, hält einen davon ab. […] “ – Schriftsteller Paul Javal zum Filmproduzenten Jeremy Prokosch in „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard

Wesentliche Komponente jedes Entwurfsprozesses ist der Dialog zwischen allen an der Planung Beteiligten. Jede Bauaufgabe erfordert die individuelle Zusammenstellung von Planern und Fachplanern, die das spezifische Wissen für die einzelnen architektonischen und technischen Aspekte der Entwurfsaufgabe beitragen. Im Vordergrund steht hier die Kommunikation und die kritische Auseinandersetzung aller Beteiligten im Bezug auf die Bedürfnisse der Nutzer und die architektonische Zielsetzung. Der Prozess des gemeinsamen Hinterfragens der Entwurfsparameter ist ständiger Antrieb für eine zielführende und effektive Weiterentwicklung der Planung. Außerdem erfordert die Bearbeitung jeder Bauaufgabe in ihren Entwurfs- und Planungsphasen eine angemessene Wahl der Entwurfswerkzeuge. Das Spektrum reicht vom klassischen haptischen Modell über die Architekturzeichnung bis zum digitalen 3D-Modell, um die räumliche und technische Komplexität des architektonischen Entwurfes zu erfassen, zu bearbeiten, zu kommunizieren und zu diskutieren.

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